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Eine runde Sache – die Kulturgeschichte des Löffels

Die Gabel zog den Zorn der Kirche auf sich und Messer dienten schon immer als Waffen. Ganz anders der Löffel: Friedlich präsentiert er sich quer durch die Jahrhunderte – viel benutzt und wenig beachtet.


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Irmingard Dexheimer

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
30. April 2012
Bild: (c) iphigenia / sxc.hu

Die Anfänge des Löffels

Als erste Löffel dienten Muscheln, Tierknochen sowie dünne, leicht gekrümmte Holzstücke. Forscher entdeckten solche hölzernen Löffel in Asien und datierten ihr Alter auf 20.000 Jahre. Die Menschen in der Antike gelten als große Löffel-Liebhaber. Löffel aus Holz, Stein, Ebenholz und Gold fanden sich in ägyptischen Gräbern. Vornehme Griechen und Römer griffen zu Löffeln aus Bronze und Silber, während das einfache Volk mit holzgeschnitzten Löffeln aß.

Zu Zeiten Kaiser Karls saßen die Menschen nicht vor Tellern und Schüsseln. Es gab stattdessen Vertiefungen in der Tischplatte, aus denen das Essen mit Brot oder Löffeln entnommen wurde.

 

Mit den Fingern in die Schüssel

Im Mittelalter tranken die Menschen flüssige Speisen überwiegend direkt aus dem Napf. So heißt es im 15. Jahrhundert in einer Handschrift des Klosters Bursfelde ermahnend: "Die Suppe trink nicht vom Teller, sondern iss sie mit dem Löffel, und nicht laut wie ein Kalb schlürfe, sondern leise wie eine Jungfrau."

In Frankreich wurden Löffel in der Regierungszeit von Ludwig XV. gebräuchlich. Noch vom Sonnenkönig, Ludwig des XIV. (1638 bis 1715), wird berichtet, er habe mit Fingern ins Ragout gegriffen. Im 16. Jahrhundert waren die Löffel vorne rund, erst später bekamen sie die bekannte, ovale Form.

Bis ins 17. Jahrhundert waren sogenannte Apostel-Löffel sehr in Mode. Dabei handelte es sich um ein Set aus 13 Löffeln, auf deren Stielenden die zwölf Apostel und Maria abgebildet waren. In Venedig und in der Toskana verschenkten wohlhabende Taufpaten einen Satz dieser Löffel zur Geburt. Daraus entwickelte sich die Redensart, mit einem silbernen oder goldenen Löffel im Mund geboren zu sein.

 

Wie der Löffel zu seinem Namen kam

Das englische Wort für Löffel – spoon – lässt erkennen, aus welchem Material die ersten Löffel waren. Es leitet sich vom angelsächsischen "spon" ab und das heißt Holzspan.

Das französische Wort cuillère stammt vom lateinischen "cochleare" ab, einem Instrument, das zum Verzehr von Schnecken diente. Vorlage für die deutsche Bezeichnung bildet das mittelhochdeutsche Wort "laffan", das schlürfen und lecken bedeutet. Laffe, oder Löffelschale, und Stiel kennzeichnen zusammen den Löffel.




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