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Tee – viel mehr als ein Getränk (Teil 4)

Während die Teezeremonien in Europa der Geselligkeit dienen und die in China Wertschätzung vermitteln, hat der japanische Teeweg, der chadò, das Ziel, innere Einkehr zu finden. Er basiert auf den Prinzipien Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille.


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Ursula Heid

Diplom-Ingenieurin (Haushalts- und Ernährungs­technik)
5. Dezember 2016
Bild: (c) grafvision / clipdealer.com

Geschichte

Als Tee zu Beginn des 6. Jahrhunderts nach Japan kam, war er zunächst das Getränk der Mönche. Erst im 9. Jahrhundert verbreitete er sich innerhalb der Bevölkerung. Begründer der formellen Teezeremonie war ein buddhistischer Abt, der die bis dahin geltenden Regeln des Teetrinkens weiterentwickelte. Schon in der ersten diesbezüglichen Abhandlung wird das Teetrinken als religiöses Ritual bezeichnet.

Die vermutlich größte Teegesellschaft fand 1587 in Kyoto statt. Tausende waren auf Einladung des Feldherrn Hideyoshi gekommen und hatten ihre Tee-Utensilien mitgebracht. Der Gastgeber besuchte jedes Zelt und kostete den kredenzten Tee. Neun Tage soll diese Teaparty gedauert haben. Tee war damals so wichtig, dass man für besondere Leistungen mit Teetöpfen oder -tassen belohnt wurde.

 

Teehaus

Das formale Tee-Ritual findet im Teehaus statt. Dieses besteht aus einem Warte- und einem Teeraum, idealerweise schließt sich noch ein Zen-Garten mit Wandelpfad an. Der Hauptraum ist gerade groß genug für ein paar Sitzmatten und ein Kohlebecken in der Mitte. Das Fenster ist mit Seidenpapier beklebt. So kann Licht hereinkommen, aber die Zeremonie-Teilnehmer werden durch den Blick nach draußen nicht abgelenkt.

 

Zeremonie

Die Gäste spazieren zunächst im Garten umher, um den Alltag abzustreifen. Dann geht es in den Warteraum, wo alle mit heißem Wasser begrüßt werden. Anschließend reinigen sich die Geladenen mit frischem Wasser Mund und Hände, um sich von allem Übel zu befreien. Der Teeraum wird auf Knien betreten, um Demut und Respekt zu zeigen. Dort gibt es dann ein leichtes, mehrgängiges Menü, bevor die Gäste wieder in den Warteraum geschickt werden. Wenn die Vorbereitungen für das Teekochen abgeschlossen sind, werden die Gäste wieder in den Teeraum gebeten.

Die wichtigsten Gegenstände zur Teezubereitung sind Teeschale, Teedose, Frischwassergefäß, ein eiserner Wasserkessel, ein Bambuslöffel, ein Teebesen und ein Teetuch. Bei ganz formellen Einladungen gibt es dicken (Koicha) und dünnen Tee (Usucha). Mit genau vorgeschriebenen Bewegungen und in ebenfalls vorgeschriebener Reihenfolge wird der Tee zubereitet. Der Aufguss wird mit dem Bambusbesen schaumig geschlagen. Die erste Schale erhält der Hauptgast, der den Tee in drei Schlucken trinkt und die Schale zurückgibt. Die Schale wird gereinigt und so erhält jeder der Anwesenden den Tee. Während des Rituals wird in der Regel geschwiegen, erst anschließend kommen Unterhaltungen auf.

 

 




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