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Proteinpräparate – beliebt im Sport, umstritten in der Wissenschaft

Jeder kennt sie, und viele haben sie selbst schon ausprobiert: Proteinpräparate. Ob für den Muskelaufbau oder zur Gewichtsreduktion: sie verkünden Erfolge innerhalb kürzester Zeit. Inwiefern halten sie ihr Verprechen?


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Anne Krenzin

Diplom-Ökotrophologin (Ernährungs­wissenschaftlerin)
10. Februar 2020
Bild: (c) kostsov / clipdealer.com

Wie funktionieren die Präparate?

Proteinpräparate werden überwiegend in Pulverform zum Selbstanrühren mit Wasser oder Milch angeboten. Neben Eiweiß (Protein) enthalten die Produkte meist Zucker, Aromen und Farbstoffe. Im Unterschied zu natürlichen Lebensmitteln liegen die Proteine in kleinster, freier Form vor: als Aminosäuren. Dadurch müssen die aufgenommenen Proteine nicht erst während des Verdauungsprozesses auseinandergebaut werden, damit unser Körper daraus eigenes Protein aufbauen kann. Sie gehen vielmehr auf direktem Weg ins Blut und stehen für den Aufbau von Körpersubstanz zur Verfügung.

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Präparate alle für den Aufbau von Körpersubstanz notwendigen Aminosäuren enthalten. In unseren Lebensmitteln sind die Anteile einzelner Aminosäuren sehr unterschiedlich, so dass nicht immer alle zur Verfügung stehen, um Körperprotein aufzubauen.

 

Worauf sollte man achten?

Zu den Nachteilen gehören neben einem relativ hohen Preis: Wer auf Präparate setzt, neigt meist dazu, zu viel Protein aufzunehmen. Ferner besteht die Gefahr einer einseitigen Ernährung. Denn weder im Geschmack noch im Reichtum an Vitalstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, essenzielle Fettsäuren) können sie mit der Vielfalt der natürlichen Lebensmittel mithalten.

Besonders wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die über das Normalmaß hinaus geht. Überschüssige Aminosäuren werden vom Körper abgebaut, wobei Ammoniak entsteht. Wird zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, reichert sich dieser in der Niere an, was dauerhaft zu schweren Nierenschädigungen führen kann. Gleiches gilt bei einer langfristigen Proteinaufnahme von mehr als zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.

 

Welche Alternativen gibt es?

Eine ausgewogene Ernährung kann den gewünschten Effekt auch ohne Eiweißpräparate einfach erzielen: Kombiniert man Getreideprodukte, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte mit Milch, Käse, Fisch, Fleisch oder Ei, kann man die im Lebensmittel vorhandenen Aminosäuren optimal ausnutzen und somit mehr Körpereiweiß bilden.

Grundsätzlich gilt: Der maximale Muskelaufbau ist bei jedem Menschen genetisch festgelegt. Wer also von Natur aus einen eher schmalen Körperbau hat, wird auch mit Hilfe von Eiweißpräparaten keine Wunder bewirken, sondern nur im Rahmen seiner genetischen Möglichkeiten und mit geeignetem Training Muskulatur aufbauen.



Bildquellen von oben nach unten: (c) kostsov / clipdealer.com, (c) Thommy Weiss / pixelio.de, (c) dianazh / clipdealer.com, (c) Peter Bast / pixelio.de